Schach - Notizen zum Spiel der Spiele
Schach - Literatur
Schach - bildliche Darstellungen
Filme über und mit "Schach"
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Schach - Notizen zum Spiel der Spiele

"Schach ist ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann." Das behauptet ein indisches Sprichwort und tatsächlich ist der Vielfalt und Komplexität des 'königlichen Spiels' keine Grenze gesetzt. Die Faszination am Schach teilen dabei Spitzenspieler und größte Patzer gleichermaßen. Neben der praktischen, spielerisch-sportlichen Betätigung hat der "Probierstein des Gehirns" (Goethe) auch in Kunst, Literatur, Philosophie Eingang gefunden. Stefan Zweigs "Schachnovelle", Nabokovs "Lushins Verteidigung" oder die schachbezogenen Werke von Marcel Duchamp sind nur einige Beispiele, in denen Schach das Sujet ist. (Eine ungefragte Kopie dieser Zeilen hat sich ungefragt der SV Görlitz erlaubt - aber feine Sammlung von Schachbildern dort. )

TurmbildDer "Probierstein" ist aber auch zum ultimativen Test für das vielbemüht Pendant des Gehirns in der Maschinenwelt geworden. Spätestens seit dem Match Deep Blue vs Kasparow wird der Frage nachgegangen, ob und in welchem Maße der Computer das Spiel perfekter beherrscht als ein Mensch. Das die Konkurrenz der Schachcomputer und Schachprogramme für den Menschen sehr groß ist, zeigt der Blick auf die schwedische Spielstärkeliste der Schachprogramme, kurz SSDF! Dabei muß beachtet werden, das diese Art der Herausforderung als wichtiger eingeschätzt wird, als vergleichsweise der Wettkampf zwischen einem Motorrad und einem Leichtathleten. Kreativität, als das besondere Merkmal des Menschen wird gegen die vielbeschworene Stumpfheit der Apparate ins Feld geführt. Sicher, 99 Prozent aller Menschen werden bereits von einem mittelmäßigen "Schachautomaten" (so die etwas antiquierte Bezeichnung aus früheren Jahrhunderten) besiegt; dagegen hatten allerdings die Erstlinge der Schachcomputer auch gegen schwach spielende Menschen keine Chance! Noch 1981 wurde über Schachcomputer folgendes geschrieben:

"Durch unsere Betrachtungen ist hinreichend klargeworden, daß sich das maschinelle Schach noch auf einem niedrigen Niveau befindet und daß man an künftige Entwicklungen keine allzu großen Erwartungen knüpfen darf" (Lindörfer. Das große Schachlexikon).
Wie hat sich mit Blick auf Deep Blue diese Bild gewandelt. Doch die Euphorie ist insoweit verfehlt, wenn man sich klarmacht, daß ein Computer nicht spielt, sondern rechnet. Was allerdings bleibt, ist das merkwürdige "Verletzt-Sein" der "Ehre". Bereits seit dem ersten "Schachautomaten" ist diese menschliche Gefühlsregung bekannt: "Ich habe etliche Leute getroffen, die weder so schnell noch so gut wie der Automat spielen können und dennoch äußerst beleidigt gewesen wären, wenn man ihre Fähigkeiten mit den seinen verglichen hätte." (Louis Duten über Gegner des "Türken", zitiert nach Tom Standage.)

In Amerika wird neuerdings 'Schach in der Weltliteratur' sogar im Rahmen des "studium generale" angeboten (vgl. Rochade Nr.12, Seite 96). Ein interessanter Versuch, der zusätzlich die weitreichenden, ja unerschöpflichen Möglichkeiten des Spiels klarmacht. Denn "Schach ist wie das Leben" urteilte einst Boris Spassky, "Schach ist das Leben" präzisierte dagegen Bobby Fischer. Leben und Schach - gemeinsam ist beiden zumindest eine enorme Komplexität, die herausfordert. Ob aber die Meisterschaft im Schach gleichzeitig auch Befähigung im Leben bedeutet? Die oftmals hervorgehobene Beziehung von Schach und Wahnsinn (besonders in Kreisen der Weltmeister und Spitzenspielern) mag dagegen sprechen, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Gerade im schulischen Bereich beispielsweise ist Schach besonders geeignet, Fähigkeiten wie Konzentrationsvermögen und Kreativität zu trainieren.

Weitere Online-Literatur zum Spiel der Spiel - insbesondere zu der Ursprungsgeschichte findet sich im Artikel eines schweizer Schachspielers: "Schach. Ein Spiel, das Jahrhunderte überlebte " (Link nicht mehr verfügbar, 15.12.2002). An Spielerpersönlichkeiten orientiert ist dagegen diese Schachgeschichte. Empfohlen sei auch noch ein Blick zu der inhaltlich außerordentlich reichhaltigen Seite www.schachgeschichte.de.

Wer nach soviel "Schachtheorie" abseits des praktischen Spiels Lust auf eine Partie bekommen hat, der findet vielleicht hier etwas passendes: Lékó - Piket , Tilburg 1997. Kommentiert wird die Partie von GM Robert Hübner.


Schach - Literatur:

Unterschieden wird hier grob in vier Gruppen: a) das Schachspiel bzw. seine Spieler stehen im Mittelpunkt literarischer Erzählung oder b) das Schachspiel wird in einer kurzen (aber oft zentralen) Episode gestreift. Natürlich ist die erste Rubrik der zweiten zahlenmäßig unterlegen, aber beide lassen über die schachlichen Aussagen interessante Rückschlüsse auf den jeweiligen kulturellen Kontext zu. Die Wertschätzung (oder Ablehnung), die das Spiel in der Geschichte erfährt, charakterisiert bestens seine Spieler und ihr Umfeld.

Die umfassendste Gruppe (nicht unbedingt belletristischer Natur :-)) ist dagegen: c) Schachbücher zur Spielpraxis (nebst Regelwerken und Zeitschriften). Es gibt zahlreiche Lehrbücher für Anfänger und Fortgeschrittene. Für alle drei Stadien einer Partie - Eröffnung, Mittel- und Endspiel - existieren Bücherberge. Eher selten äußern sich die Autoren zum Spiel und seiner Geschichte selbst. Hier werden nur wenige, hauptsächlich schachhistorische Beispiele angeführt. Die in ihnen enthaltenen Varianten und Theoreme zum Spiel mögen ihre Gültigkeit teils behalten, teils verloren haben. Den Abschluß bildet dann die spannende vierte Gruppe der d) Schachgeschichte, unter der hier Literatur zu finden ist, die den Ursprung des Spiels beleuchtet, die Wesen bzw. Charakter des Schachs beschreibt. Partien sind in diesen Werten die Ausnahme.

Umfangreiche Rezessionen zahlreicher Werke findet sich auf der Literaturseite der Schachfreunde Hannover

a)
  • Arrabal, Fernando. Hohe Türme trifft der Blitz
  • Carter, Stephen. Schachmatt
  • Glavinic, Thomas. Carl Haffners Liebe zum Unentschieden
  • Henrichs, Bertina. Die Schachspielerin
  • Korth, Manfred. Gardez! Roman um einen Schachbesessenen. 1999
  • Lasker, Emanuel. Wie Wanja Meister wurde. 1937/2001
  • Löhr, Robert. Der Schachautomat. 2005
  • Meras,Iccokas. Remis für Sekunden. 1963/2001
  • Nabokov, Vladimir. Lushins Verteidigung
  • Neville, Katherin. Das Montglane-Spiel
  • Maurensig, Paolo. Die Lüneburg-Variante
  • Pérez-Reverte, Arturo. Das Geheimnis der schwarzen Dame
  • Süsskind, Patrick. Ein Kampf. In: ders. Drei Geschichten.
  • Zweig, Stefan. Schachnovelle

b)
  • Beckett, Samuel. Murphy
  • Canetti, Elias. Die Blendung
  • Carroll, Lewis. Alice hinter den Spiegeln
  • Diderot, Denis. Rameaus Neffe
  • Goethe, Götz von Berlichingen
  • Goethe, Egmont
  • Kerr, Philip. Game Over
  • Krausser, Helmut. Schweine und Elefanten
  • Lessing, Nathan der Weise
  • Meyrink, Gustav. Der Golem
  • Jandl, Ernst. Selbstporträt des Schachspielers als trinkende Uhr. Gedichte

c)
  • Capablanca, J.R. Letzte Schachlektionen
  • Capablanca, J.R. Grundzüge der Schachstrategie
  • Duchamp, Marcel und Vitali Halberstadt. Opposition und Schwesterfelder
  • Kasparow, Garri und Co-Autor Dmitri Plisetzki. Meine grossen Vorkämpfer (7? Bde., bis 09/2007 erschienen sind Bd. 1-6)
  • Nimzowitsch, A. Die Praxis meines Systems
  • Lasker, Emanuel. Gesunder Menschenverstand im Schach
  • Lasker, Emanuel. Laskers Lehrbuch des Schachspiels. Neuauflage von A. Borik. 2005
  • Tarrasch, S. Das Schachspiel

    Regelwerke
  • Schubart, Ernst und Helmut Nöttger. Turnierleiterhandbuch des Deutschen Schachbundes. 1987
  • Rüegsegger, Beat. Turnierleiterhandbuch. Schweizerischer Schachverband. 1991

    Zeitschriften
  • Schachmagazin 64
  • Schach
  • Karl - das kulturelle Schachmagazin
  • Rochade Europa
d)
  • Beyer, Uwe (Redaktion) Ein königliches Vergnüngen. Meissner Schachfiguren aus drei Jahrhunderten. Meissener Manuskripte, Sonderheft VI. 1998
  • Bruns, Edmund. Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 2003
  • Dreyer, Michael und Ulrich Sieg. Emanuel Lasker, Schach, Philosophie, Wissenschaft
  • Edmonds, David und John Eidinow. Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann
  • Ehn, Michael und Ernst Strouhal. Luftmenschen. Die Schachspieler von Wien. Materialien und Topographien zu einer städtischen Randfigur 1700-1938. Wien, 1998.
  • Faber, Marion. Das Schachspiel in der europäischen Malerei und Graphik (1550-1700). Wiesbaden, 1988.
  • Faites vos jeux!, Kunst und Spiel seit Dada. Hrsg. von Nike Bätzner. 2005
  • Finkenzeller, Roswin. Kleine Philosophie der Passionen. Schach
  • Hesse, Christian. Expeditionen in die Schachwelt. Helden, Taten, Denkanstöße. München 2006
  • Hütter, Hans W., Petra Rösgen, Hans Holländer, und Hanno Sowade. Zug um Zug. Schach – Gesellschaft – Politik. Ausstellungskatalog
  • Hopper, David und Kenneth Whyld. The Oxford Companion to Chess. 1996
  • Krogius, Nikolai. Psychologie im Schach. 1983
  • Lasker, Emanuel und Reinhard Munzert. Gesunder Menschenverstand im Schach. 1895/1999
  • Linder, Isaak. Faszinierendes Schach. 1981. Dt. 1986
  • Linder, Isaak und Wladimir. Schach: Das Lexikon. 1996
  • Lindörfer, Klaus. Geschichte. Theorie und Spielpraxis von A-Z. 1981. Sonderausgabe von 1991
  • Munzert, Reinhard. Schachpsychologie. 1998
  • Pfleger, Helmut und Gerd Treppner. Brett vorm Kopf. Leben und Züge der Schachweltmeister. 1994
  • Poldauf, Susanna. Philidor. 2001
  • Runkel, Wolfram. Schach. Geschichte und Geschichten. 1995
  • Schachpartie - Durch Zeiten und Welten. Ausstellungskatalog Hamburg. Hrsg. W. Hornborstel. Mit Beiträge von Hans und Barbara Holländer. 2005
  • Schafroth, Colleen. Schach (Orginaltitel "The art of chess"). München, 2002
  • Schadows Schachclub. Ein Spiel der Vernunft in Berlin 1803-1850. Sammlungskataloge der Kunstbibliothek. Hrsg. von Bernd Evers. Berlin, 2003.
  • Spielwelten der Kunst. Kunstkammerspiele. Ausstellungskat. Wien. Hrsg. von Wilfried Seipel. Wien, 1998.
  • Standage, Tom. Der Türke. Die Geschichte des ersten Schachautomaten und seiner abenteuerlichen Reise um die Welt. Frankfurt am Main. 2002
  • Strouhal, Ernst. acht x acht. Zur Kunst des Schachspiels. 1996
  • Strouhal, Ernst. Duchamps Spiel.1994


Filme über und mit "Schach"

Als ausschmückendes Nebenmotiv kommt das Schachspiel sehr oft im Medium Film ins Bild. Nachstehend einige Beispiele (oft Umsetzungen bekannter Literatur), in denen das königliche Spiel die Hauptrolle spielt. Eine sehr ausführliche Sammlung von Screenshots von 1903 bis zur Gegenwart findet sich hier.

Schach - bildliche Darstellungen

In der bildenden Kunst sind Darstellungen des Schachspiels eher eine Zugabe, als ein Hauptmotiv. Wird das Schachspiel jedoch in Szene gesetzt, dann ist seine sinnbildliche Bedeutung oft zentral. Als Spiel der Vernunft adelt es die dargestellten Personen und verbindet sie mit den positiven Eigenschaften des Spiels. Auch Künstler der Moderne wie Marcel Duchamp (auch als Spieler recht erfolgreich) oder Man Ray heben in ihrem Werk das Spiel überaus. Eine umfangreiche Übersicht kann an dieser Stelle nicht gegeben werden, exemplarisch darum nur einige Gemälde/Kunstwerke. (Eine größer Auswahl an Bilder findet sich hier, ein kurzer Artikel (frz.) ist hier zu besuchen.)

KünstlerBildtitelZeitMaßeGalerie
Daumier, Honoré Schachspieler 1863 24 x 32 cm Musée du Petit-Palais
Baugin, Lubin Die fünf Sinne / Stilleben mit Schachbrett um 1630-1635 0,55x0,73 cm Louvre
Francesco di Giorgio Martini Schachpartie (rechtes Fragment) vor 1500 35 x 41 cm Metropolitan Museum of Art
Grabkammer der Nefertari Schachspiel (?) um 1298-1235 v. Chr. 61 x 70 cm Grabmal der Königin Nefertari
Hasenclever, Johann Peter Schachpartie 1844 - Bergisches Museum, Solingen
Hummel, Johann Erdmann Die Schachpartie 1818/19 38,5x44cm Nationalgalerie Berlin (2. Fassung in Hannover)
Leyden, Lucas van Schachpartie 1. Drittel 16. Jh.
Deutsches Museum
Man, Cornelis de Schachspieler 2. Hälfte 17. Jh. 97,5 x 85 cm Museum der Bildenden Künste
Meister E.S. Der Liebesgarten mit den Schachspielern 1460-1467 - Berlin, Kupferstichkabinett
Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm Konradin of Swabia and Friedrich of Baden Awaiting Sentence 1785 65.5x91.5 cm Ermitage
Truppe, Karl Vita Victrix - Schachspiel mit dem Tod 1942 - Deutsches Historisches Museum Berlin
unbekannt Reine jouant aux echecs Ende 15. Jh. Tapisserie Colmar, Unterdenlinden
Manessische Liederhandschrift Schachspiel um 1320 4,5 x 24,5 cm Heidelberg, Universitätsbibliothek



Schach(welt)meister seit 1851:

Die Schachlegenden Anderssen und Morphy zählten wie Philidor und Staunton zu den "stärksten Spielern" ihrer Zeit. Steinitz ernannte sich nach seinem Sieg gegen Anderssen selbst zum Weltmeister. Erst 1886 wird der Titel offiziell an Steinitz vergeben. Ausführliche und aktualisierte Übersicht bei Wikipedia.


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